Langzeitstudie über Mobilfunknutzung in der Schweiz: 49 Minuten täglich mobil im Internet

Bern, 26. April 2015. 97% der Schweizer Bevölkerung nutzten 2014 ein Handy oder ein Smartphone. Damit ist das Mobilfunktelefon zu einem Alltagsgegenstand geworden und erreicht eine Durchdringung, wie sie keine andere Technologie in der Schweiz aufweist. Besonders stark hat die Mobilfunknutzung bei Personen im Alter ab 65 zugenommen. Auch das Nutzungsverhalten hat sich verändert: Es wird weniger telefoniert, jedoch immer mehr das Internet mobil genutzt. Dies ergab eine repräsentative Befragung von gfs.bern im Auftrag von Forum Mobil, die seit 2003 zum siebten Mal durchgeführt wurde.
Das Wichtigste in Kürze:
• 97% der Schweizer Bevölkerung haben ein Mobiltelefon
• Durchschnittlich wird nur noch 17 Minuten pro Tag telefoniert (2010: 29 Minuten)
• Mobile Internetnutzung stark gestiegen: heute 49 Minuten pro Tag (2010: 7 Minuten)
• Bei 79% der Befragten überwiegt der Nutzen die möglichen Risiken der Immissionen

Das Mobiltelefon entwickelt sich mehr und mehr zum einem Multifunktionsgerät. So geben die Befragten heute an, durchschnittlich rund 17 Minuten pro Tag zu telefonieren. Bei der letzten Befragung im August 2010 ergab sich hierfür ein Wert von 29 Minuten. Gleichzeitig steigt die Nutzung von mobilen Internetanwendungen von durchschnittlich 7 Minuten (2010) auf heute knapp 50 Minuten pro Tag. 83 Prozent aller Befragten geben dabei an, über das Smartphone das mobile Internet zu verwenden. Vor vier Jahren waren dies gerade mal 24 Prozent. Trotzdem bleiben die klassischen Funktionen wie Telefonieren und SMS weiterhin die am meisten genutzten Anwendungen. Als dritthäufigste Verwendung wurden E-Mails und Mitteilungsdienste genannt. Vor allem Jüngere nutzt das Smartphone regelmässig und häufig für Aktivitäten in den sozialen Medien.

Mobilfunk ist unverzichtbar geworden
Die aktuelle Umfrage zeigt, dass der Mobilfunk in der Schweiz zu einer unverzichtbaren Form der Kommunikation geworden ist. 86 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Mobilfunkkommunikation hierzulande nicht mehr wegzudenken ist. „Auch wenn es nach wie vor Personen gibt, die hinsichtlich der möglichen gesundheitlichen Auswirkungen Vorbehalte haben, überwiegt über alle Altersgruppen der Befragten klar der Nutzen“, fasst Urs Bieri, Senior-Projektleiter und Mitglied der Geschäftsleitung von gfs.bern die aktuelle Umfrage zusammen.

Mobilfunknutzung bei den über 65-Jährigen stark gestiegen
2010 haben gerade mal 56 Prozent der über 65-Jährigen ein Mobiltelefon benutzt. Heute hat die Durchdringung bei dieser Gruppe 93 Prozent erreicht. Mit der zunehmenden Nutzung der über 65-Jährigen hat auch die Sensibilität gegenüber gesundheitlichen Risiken leicht zugenommen. Es ist davon auszugehen, dass gerade Menschen, die sich erst später mit einer Technologie auseinandersetzen, dieser zu Beginn etwas skeptischer gegenüberstehen. Dennoch überwiegt der Nutzen der vielseitigen Möglichkeiten der Mobilfunktechnologie auch bei den über 65-Jährigen klar.

Risiken marginalisiert
79 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner stellen den Nutzen in den Vordergrund, während nur 15 Prozent risikoorientiert sind. Damit ist das grundsätzliche Bild das gleiche, wie es seit Beginn der Beobachtung 2003 erfasst wurde. Interessanterweise hat sich die Beurteilung der gesundheitlichen Risiken leicht verändert. Die Befragten sehen heute die Strahlungsquelle nicht mehr hauptsächlich bei der Mobilfunkantenne, sondern nehmen vermehrt das Mobiltelefon selbst als mögliches Risiko wahr. Dass aber auch Personen mit einer Risikowahrnehmung mehrheitlich selber Handys nutzen, deutet darauf, dass das Problem nicht verdrängt, aber in der Abwägung zwischen Risiko und Nutzen marginalisiert wurde.


Wahrnehmung der möglichen Quellenverursacher
Wertet man die Antworten der Befragten hinsichtlich der Verursacher von elektromagnetischen Feldern aus, zeigen sich ebenfalls interessante Erkenntnisse. Im Vergleich zur letzten Umfragen sehen mehr Befragte eine mögliche Gefährdung durch Elektrosmog bei fast allen möglichen naheliegenden Quellen. Vor allem hat die subjektiv empfundene Gefährdung durch WLAN, schnurlose Telefone (DECT) und Smartphones deutlich zugenommen. Hingegen konstant wird die Gefährdung durch Mobilfunkantennen eingeschätzt. Angeführt wird diese Auswertung seit Beginn der Befragten im Juni 2003 von den Gefahren durch Hochspannungsleitungen.

Details zur Befragung von gfs.bern

Befragungsgebiet: gesamte Schweiz
Erhebungsmethode: kombinierte Cati-/Onlinepanel-Befragung
Stichprobengrösse: 1‘002 Personen
Grundgesamtheit: Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren
Zeitraum der Befragung: Dezember 2014
Unschärfebereich: 3,3% für Aussagen zum Total bei einer Merkmalverteilung von 50%/50%
Vorangegangene Studien: 2003, 2004 (2x), 2006, 2008, 2010

 

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